{"id":13854,"date":"2000-06-21T17:03:35","date_gmt":"2000-06-21T17:03:35","guid":{"rendered":"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/?p=13854"},"modified":"2023-11-30T19:17:28","modified_gmt":"2023-11-30T19:17:28","slug":"die-dreschmaschine-kommt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/?p=13854","title":{"rendered":"Die Dreschmaschine kommt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Sonderbericht zu den Tagen der offenen H\u00f6fe am 24. und 25. Juni 2000<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>850 Jahre Kirch-G\u00f6ns<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es in meiner Jugendzeit Mitte der f\u00fcnfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hie\u00df \u201edie Dreschmaschine kommt\u201c, dann war das f\u00fcr uns Kinder immer etwas Besonderes. Da war Leben auf dem Hof, da gab es viel zu sehen, h\u00f6ren und erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es fing damit an, dass die aus Sicht von uns Kindern riesige Dreschmaschine durch einen ebenso gro\u00dfen Traktor in den Hof und dann in die Scheune geschoben wurde. Danach wurden Traktor und Dreschmaschine mit einem breiten Transmissionsriemen verbunden, der \u00fcber Kreuz lief, damit er nicht vom Schwung- bzw. \u00dcbertragungsgrad abfiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden zum Antrieb der Dreschmaschine auf fahrbare Dampfmaschinen benutzt. In die N\u00e4he des Transmissionsriemens durfte man nicht kommen, die Verletzungsgefahr war gro\u00df. Da war aber auch der Reiz des Verbotenen. Es wurde als Mutprobe empfunden, unter dem Transmissionsriemen durchzuschl\u00fcpfen, bis man dann ausgeschimpft und weggeschickt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Traktor, der in meiner Jugendzeit die Dreschmaschine antrieb, verbreitete den ganzen Tag \u00fcber Gestank und Krach. Er stand da und ruckelte st\u00e4ndig hin und her. Auch die Dreschmaschine war immer in Bewegung, der ganze Aufbau vibrierte von den Kr\u00e4ften, die im Inneren die Getreidehalme droschen. An den Seiten und unter der Maschine sah man Gest\u00e4nge sich bewegen, deren genaue Funktion man nicht kannte. Oben auf dem Getreideboden der Scheune standen M\u00e4nner, die die einzelnen Getreidegarben von dort auf die Dreschmaschine gabelten. Die dort postierten M\u00e4nner nannte man \u201eEinleger\u201c. Sie nahmen die Garben und bef\u00f6rderten sie in das Innere der Dreschmaschine. Arbeiten, bei denen heute die Gewerbeaufsicht die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammenschlagen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die in der Scheune und auf der Maschine arbeitenden M\u00e4nner waren sehr starker Staubbildung ausgesetzt. Vielen banden sich daher ein Taschentuch vor Mund und Nase. Wenn sie herunterkamen, waren sie grau vor Staub, der sie \u00fcberall bedeckte. Waren einige Garben, in die Dreschmaschine geworfen, dauerte s ein paar Minuten, dann rieselten die Getreidek\u00f6rner durch eine Abf\u00fcllvorrichtung in bereitstehende Jutes\u00e4cke. Damit die Tr\u00e4ger die schweren Zentners\u00e4cke nicht vom Boden auf den R\u00fccken heben mussten, gab es an der Dreschmaschine eine Art Aufzug. Hier stellte man die vollen S\u00e4cke drauf, der Aufzug fuhr hoch und die Tr\u00e4ger konnten den Getreidesack auf die Schulter nehmen, der dann auf den so genannten Fruchtspeicher getragen wurde. Meist war dieser Speicher der des Wohnhauses, reichere Bauern hatten einen besonderen Fruchtspeicher in Nebengeb\u00e4uden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tr\u00e4ger waren ausgesuchte starke M\u00e4nner, die die Zentners\u00e4cke \u00fcber Treppen auf den Speicher trugen. Eine schwere und schwei\u00dftreibende Arbeit. Erst Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts kam spezielle Getreidepumpen auf, die die Arbeit der Tr\u00e4ger \u00fcbernahmen. \u00fcr uns Kinder war der Aufzug an der Dreschmaschine ein wunderbares Spielzeug. W\u00e4hrend sich der am Abf\u00fcllstutzen angeklemmte Getreidesack langsam f\u00fcllte, war der Aufzug der ja arbeitslos. Da stellten wir Kinder uns auf ihn und lie\u00dfen uns hochfahren, um dann von etwa einem Meter H\u00f6he herunterzuspringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeit der \u201eDreschmaschine\u201c war hart und forderte dem K\u00f6rper viel ab. Es kam \u201eGutes Essen\u201c, sprich kalorienhaltiges, auf den Tisch. Zum Fr\u00fchst\u00fcck gab es Hausmacher Wurst und Brot, zum Mittagessen meist Rippchen mit Kraut, manchmal auch Kotelett mit Kartoffeln. Und damals hat noch keiner den Fettrand am Fleisch abgeschnitten. F\u00fcr uns Kinder wichtig waren die so genannten s\u00fc\u00dfen Weck, die \u201eA\u00e4jerweck\u201c und die \u201eGr\u00e4wezell\u201c aus Brotteig mit ausgelassen Speckgrieben beim nachtmitt\u00e4glichen Kaffeetrinken. Die gab es sonst n\u00e4mlich nicht. Da haben wir Kinder dann zugeschlagen und uns die selbst gemachte Marmelade, den \u201eSchelee\u201c, ganz dick drauf aufgeschmiert. Eine leichte Ahnung von all den Besonderheiten, die mit dem Kommen der Dreschmaschine zusammenhingen, kann man bei den Kirch-G\u00f6nser Tagen der offenen H\u00f6fe am kommenden Wochenende erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anwesen von Klaus Volk in der Hauptstra\u00dfe 30 tritt jeweils um 15.00 Uhr eine Dreschmaschine in Aktion, angetrieben von einem alten Lanz-Bulldog. Woher aber kommt das Getreide zum Dreschen. Um diese Jahreszeit ist das Korn ja noch nicht reif. Hier musste vorausgeplant werden. Im Juli letzten Jahres zur Erntezeit f\u00fchrten Mitglieder des Kirch-G\u00f6nser Heimat- und Backhausverein eine historische Getreideernte durch. Wie in der Zeit um 1900 wurden die Getreidehalme mit dem so genannten \u201eReff\u201c, einer Sense mit einer speziellen Vorrichtung zum Auffangen der Halme, abgem\u00e4ht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wurden die Getreidehalme zu \u201eGarben\u201c gebunden. Hierzu wurden Stricker, aber auch die so genannten \u201eStruuhwirr\u201c genommen, die aus Strohalmen mit einer besonderen Technik gewunden werden. Nach dem Trocknen auf dem Feld wurden die Garben in Kirch-G\u00f6ns in der Scheune von \u201eHesse\u201c der Familie Ewald Eckard, eingelagert, damit jetzt bei den Vorf\u00fchrungen die Dreschmaschine damit gef\u00fcttert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"528\" src=\"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2000-06-21.06.2000-Die-Dreschmaschine-kommt-1024x528.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13855\" srcset=\"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2000-06-21.06.2000-Die-Dreschmaschine-kommt-1024x528.jpg 1024w, http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2000-06-21.06.2000-Die-Dreschmaschine-kommt-300x155.jpg 300w, http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2000-06-21.06.2000-Die-Dreschmaschine-kommt-768x396.jpg 768w, http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2000-06-21.06.2000-Die-Dreschmaschine-kommt-1536x792.jpg 1536w, http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2000-06-21.06.2000-Die-Dreschmaschine-kommt.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Jahre 1932 aufgenommen wurde in Kirch-G\u00f6ns dieses Foto einer Dreschmaschine. <\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonderbericht zu den Tagen der offenen H\u00f6fe am 24. und 25. 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