{"id":14342,"date":"2004-01-20T20:32:00","date_gmt":"2004-01-20T20:32:00","guid":{"rendered":"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/?p=14342"},"modified":"2024-01-19T20:36:05","modified_gmt":"2024-01-19T20:36:05","slug":"wie-alt-ist-der-roemische-limes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/?p=14342","title":{"rendered":"Wie alt ist der r\u00f6mische Limes"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Bodenuntersuchungen im Raum Kirch-G\u00f6ns und Pohl-G\u00f6ns<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie alt ist der r\u00f6mische Limes? Eine f\u00fcr viele wohl etwas \u00fcberraschende Frage. Denn den haben doch die ollen R\u00f6mer gebaut, nachdem Hermann der Cherusker den Varus im Teutoburger Wald verkloppt hat. Doch ganz so einfach ist die Frage nicht zu beantworten. Und doch muss das so genau wie irgend m\u00f6glich geschehen, soll der von den Bundesl\u00e4ndern Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg, an die UNESCO gestellte Antrag auf Aufnahme des so genannten obergermanischraetischen Limes in die Liste des Weltkulturerbes Erfolg haben. Diese Grenzanlage des r\u00f6mischen Reiches ist mit rund 500 Km L\u00e4nge das gr\u00f6\u00dfte arch\u00e4ologische Bodendenkmal Deutschlands und erstreckt sich von Neuwied am Rhein \u00fcber den Taunus und den Wetteraubogen bis zum Mainknie bei Hanau\/Steinheim. Er ist rund 1800 Jahre alt. Noch heute ist der Limes an vielen Stellen als teilweise schnurgerader \u00fcber viele Kilometer verlaufender Erdwall mit einer durchschnittlichen H\u00f6he von 1,5 m zu sehen, so auch in den Gemarkungen Kirch-G\u00f6ns und Pohl-G\u00f6ns. Hier bildet er den Waldrand bzw. die Gemarkungsgrenze. In den letzten beiden Jahren wurde eine genaue Bestandsaufnahme des obergermanisch-raetischen Limes vorgenommen. Rund 1000 T\u00fcrme, 61 Kastelle und 60 Kleinkastelle wurden erfasst. Nach heutigem Wissenstand wurden unter dem r\u00f6mischen Kaiser Domitian 85 n. Chr. die Chatten aus der Wetterau verdr\u00e4ngt und erste Grenzbefestigungen angelegt. Wahrscheinlich nicht mehr als ein gerodeter Streifen Land, von Holzt\u00fcrmen bewacht. Unter den Kaisern Trajan (98 \u2013 117), Hadrian (117 \u2013 138) und Antonius-Pius (138 \u2013 161) wurde der Limes ausgebaut mit Holzpalisade, Erdwall, Holz- bzw. Steint\u00fcrmen. Hinter der Grenzbefestigung lagen Milit\u00e4rlage, die Kastelle, so auch das im nahen Holzheimer Unterwald. In der N\u00e4he dieses Kastells hat jetzt das Institut f\u00fcr Bodenkunde und Bodenerhaltung der Uni Gie\u00dfen Untersuchungen am Limeswall vorgenommen, die mit dazu beitragen sollen, das genaue Alter der Grenzbefestigung zu ermitteln. Unter der Leitung von Dr. Peter K\u00fchn wurde ein etwa 2,5 m tiefes Loch vom Pohl-G\u00f6nser Unternehmer Walter Schepp ausgehoben, das Einblicke in den Querschnitt des Walles erm\u00f6glichte. Anhand der Bodenverf\u00e4rbungen konnte der Bodenhorizont zur Zeit des Baues der Befestigung ermittelt werden. Zahlreiche Proben wurden genommen, die unter anderen auf ihre ph- und Karbon-Werte hin untersucht werden sollen. Durch Pollenanalysen wird man erkennen k\u00f6nnen, ob die R\u00f6mer auf Waldboden oder freiem Gel\u00e4nde den Grenzwall errichteten oder gar auf Feldern. Sehr interessant wird auch das Ermitteln der Schwermetallanteile (Umweltverschmutzung) damals und heute sein. Der aufgeworfene Erdwall hat den damaligen Bodenhorizont wie in einem Tresor gesch\u00fctzt. Die dar\u00fcber liegende Erde war den Umwelteinfl\u00fcssen von rund 1800 Jahren ausgesetzt. Aus den Proben und dem Bodenprofil der Grube wird man auch die bodenbildenden Prozesse zum Beispiel seit der letzten Eiszeit erkenn k\u00f6nnen. Mit einem so genannten Geo-Radar lieferten die wissenschaftlichen Mitarbeiter Rolf Gerber und Roya Bornh\u00fctter weitere Daten zum Profil des Limeswalles. Alle Ergebnisse der Proben und Daten werden laut Dr. Peter K\u00fchn auf der Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft 2005 in Marburg vorgestellt werden. In einer Exkursion werden dann Tagungsteilnehmer B\u00f6den der Wetterau und das Holzheimer Limesprofil, das inzwischen wieder verf\u00fcllt ist, vorgestellt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden auch der genaueren Datierung des Alters des r\u00f6mischen Limes dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle und Bilder. Butzbacher Zeitung vom 20. Januar 2004<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"543\" height=\"341\" data-id=\"14344\" src=\"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Limes-Bild1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14344\" srcset=\"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Limes-Bild1.jpg 543w, http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Limes-Bild1-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 543px) 100vw, 543px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der r\u00f6mische Limes, hier bei Kirch-G\u00f6ns, ist noch heute als hoher Erdwall zu sehen. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"512\" height=\"345\" data-id=\"14343\" src=\"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Limes-1-Bild2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14343\" srcset=\"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Limes-1-Bild2.jpg 512w, http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Limes-1-Bild2-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dr. Peter K\u00fchn zeigt auf den Bodenhorizont vor rund 1.800 Jahren<\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bodenuntersuchungen im Raum Kirch-G\u00f6ns und Pohl-G\u00f6ns Wie alt ist der r\u00f6mische Limes? 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