{"id":17218,"date":"2014-05-20T10:45:00","date_gmt":"2014-05-20T10:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/875jahrekirchgoens.de\/?p=17218"},"modified":"2025-11-14T10:47:21","modified_gmt":"2025-11-14T10:47:21","slug":"in-kirch-goens-alles-ein-wenig-anders","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/?p=17218","title":{"rendered":"In Kirch-G\u00f6ns alles ein wenig anders"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Museumstag \u2013 Zwei F\u00fchrungen und eine \u201eZeitreise\u201c im Museum Butzbach \/ Nur ein Kind angemeldet<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kirch-G\u00f6ns und Wolfi: Das waren gro\u00df zusammengefasst \u2013 die Protagonisten des 40. Internationalen Museumstages in Butzbach. Unter dem Motto \u201eSammeln verbindet \u2013 museum collections make connections\u201c \u00f6ffnete das Museum der Stadt kostenlos seine Pforten. Doch den Nachwuchs vermissten die Damen des Butzbacher K\u00fcnstlerkreises. Eigentlich wollten sie mit den Kindern und dem mittlerweile ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Wolfi eine Zeitreise in 150 Jahre Butzbacher Geschichte wagen. Doch daraus wurde mangels zeitreiselustiger Kinder nichts \u2013 gerade einmal ein Junge hatte sich bei der stellvertretenden Vorsitzenden des K\u00fcnsterlerkreises, Renate Rademacher-Nick, gemeldet. W\u00e4hrend Museumsleiter Dr. Dieter Wolf am Morgen traditionell durch die Butzbacher Geschichte f\u00fchrte, lud am Mittag Gail Schunk vom Butzbacher Geschichtsverein zu einer F\u00fchrung durch Kirch-G\u00f6ns ein. Schunk ging es vor allem um die d\u00f6rfliche Entwicklung \u2013 die nach den neuesten Erkenntnissen alles andere als typisch war. Dabei darf davon ausgegangen werden, dass schon die Germanen am G\u00f6nsbach (\u201eIn den R\u00f6dern\u201c) lebten und somit als die ersten Bewohner des Kirch-G\u00f6nser Grund und Bodens gelten d\u00fcften. Rund 500 Meter in Sichtweite lagen seinerzeit zwischen der Siedlung und dem r\u00f6mischen Reich, dessen Limes bis 100 nach Christus lediglich aus einem Postenweg bestand. Eigentlich lebten in der Wetterau vor allem Rhein-Weser-Germanen: In Kirch-G\u00f6ns war -wie so oft noch in seiner Geschichte \u2013 alles ein wenig anders. Die \u201eMattiaker\u201c hatten sich am G\u00f6nsbach niedergelassen, um mit den R\u00f6mern Handel zu treiben. Deutlich sp\u00e4ter geschah die eigentliche Gr\u00fcndung des heutigen Butzbacher Ortsteils. 1147 oder 1153 sei Kirch-G\u00f6ns, noch damals bekannt unter dem Namen \u201eKirchunnesse\u201c erstmalig erw\u00e4hnt worden. Hier habe man sich auf die Siedlung an der G\u00f6nser Kirche bezogen. Die Erbauung des heutigen Kirchturmes k\u00f6nnte nach Schunk noch in dieser Zeit geschehen sein. Indes stelle der Turm die Butzbacher Forscher vor ein gro\u00dfes R\u00e4tsel. Viele der dort verbauten Bildwerke k\u00f6nnen nicht eindeutig identifiziert werden, da die Herkunft teils fraglich ist. Fest stehe jedoch, dass der Kirchturm eine wichtige Funktion f\u00fcr das Dorf erf\u00fcllte: \u201eVom Turm aus haben die Kirch-G\u00f6nser immer wieder die fremden Armeen, die auf der Weinstra\u00dfe vorbeizogen, beobachten k\u00f6nnen. Dank des Kirchenbuches sei vieles vom damaligen Leben \u00fcberliefert. Auch wenn 1541 mit den Protestanten ein neuer Wind im Gotteshaus wehte, wurde erst 1637 ein Kirchenbuch gef\u00fchrt. Neben der Funktion als Geburten-, Ehe- und Todesregister, erf\u00fcllte das Buch eine wichtige Funktion als Gesellschaftsdokument. Besonders schwer hatten es die Kirch-G\u00f6ns auch w\u00e4hrend des Siebenj\u00e4hrigen Krieges von 1756 bis 1763. Franz\u00f6siche Truppen hatten sich zwischendurch in dem wohlhabenden Dorf einquartiert und pl\u00fcnderten die Gemeinde. Bisher weitestgehend unber\u00fccksichtigt blieben die Auswanderungswellen. Aber auch hier zeichnete sich ab: Die Kirch-G\u00f6ns sind ein bisschen anders. W\u00e4hrend die Bewohner von Espa oder Nieder-Weisel wegen Armut und Hungersnot in die Vereinigten Staaten emigrierten, verlie\u00dfen die Kirch-G\u00f6nser ihr D\u00f6rfchen nur aus einem Grund: Weil sie woanders noch bessere Ausbildung bekommen konnten. Besonders die Niederlande waren bei den \u201eHollandg\u00e4ngern\u201c sehr beliebt und boten den Landwirten Ausbildungsm\u00f6glichkeiten als Schiffsbauer, Goldschmied oder Handwerker. R\u00fcckkehrer gab es zur damaligen Zeit nur wenig, so Schunk. Ebenfalls zeuge des Kirch-G\u00f6nser Wohlstands sind neben den bedeutenden Familien wie Clemm oder Clotz auch die gro\u00dfen H\u00f6fe. Mit feinstem Holz seien die H\u00e4user gebaut worden \u2013 wahrscheinlich sei das Baumaterial aus dem Spessart \u00fcber Hanau eingeschifft worden. Als Grund f\u00fcr den finanziellen Wohlstand nannte Schunk vor allem den reichhaltigen Boden und die gro\u00dfe Sparsamkeit der Dorfbewohner. Die Sparsamkeit zeige sich auch heute noch im gro\u00dfen privaten Fundus an H\u00fcttenberger Trachten. W\u00e4hrend es bei den Solmser D\u00f6rfern \u00fcblich war, die Tracht den Klageweibern und deren Kinder zu schenken, gab es diese Tradition in Kirch-G\u00f6ns nicht. Entsprechend mussten auch die gr\u00f6\u00dferen Kleidungsst\u00fccke nicht an die kleinen K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfen der Kinder angepasst werden \u2013 damit blieben die Trachten der Nachwelt erhalten. Insgesamt zufrieden zeigte sich Museumsleiter Wolf mit dem Besucherinteresse am 40. Museumstag. Mehr als 50 G\u00e4ste h\u00e4tten er und seine Mitarbeiter begr\u00fc\u00dft. Die Ausstellung \u00fcber Kirch-G\u00f6ns kann noch bis zum 9. Juni besucht werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"455\" src=\"https:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/grafik-164.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-17220\" srcset=\"http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/grafik-164.png 1024w, http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/grafik-164-300x133.png 300w, http:\/\/875jahrekirchgoens.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/grafik-164-768x341.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Gail Schunk (linkes Foto) f\u00fchrte am Sonntag durch die Geschichte von Kirch-G\u00f6ns. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 9. Juni im Butzbacher Museum ge\u00f6ffnet. \u2013 Auch wenn es deutlich weniger Kinder waren als erhofft, gab es dennoch jede Menge zum Ausmalen im Museum (rechtes Foto).<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle und Bilder: Butzbacher Zeitung vom 20. Mai 2014<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Museumstag \u2013 Zwei F\u00fchrungen und eine \u201eZeitreise\u201c im Museum Butzbach \/ Nur ein Kind angemeldet Kirch-G\u00f6ns und Wolfi: Das waren gro\u00df zusammengefasst \u2013 die Protagonisten des 40. Internationalen Museumstages in Butzbach. Unter dem Motto \u201eSammeln verbindet \u2013 museum collections make connections\u201c \u00f6ffnete das Museum der Stadt kostenlos seine Pforten. 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