Die Geschichte der Amerikaner im Ort

Buchpräsentation in Kirch-Göns

Am vergangenen Sonntagnachmittag stellte Heimatforscher Werner Reusch sein neues Buch im Bürgerhaus in Kirch-Göns vor. Nach fünf Jahren Arbeit hat der Autor sein neues Buch „Flugplatz Kirch-Göns – Ayers Kaserne – Magna Park“ fertiggestellt. Das Buch hat 643 Seiten mit etwa 860 Abbildungen im Format DIN A4. Auf etwa 80 Seiten wird der ehemalige Flugplatz Kirch-Göns präsentiert. 70 Seiten sind Taxifahrern, amerikanischen Clubs und ehemaligen Gaststätten und Geschäften um die Ayers Kaserne gewidmet. Etwa 500 Seiten beschäftigen sich mit der Ayers Kaserne selbst und Amerikanern im Umfeld von Butzbach. Reusch veranstaltete an diesem Sonntag keine Lesung, sondern gab einen Überblick über die Entstehung des Werkes. Bereits in seinem Heimatbuch „Wäi di Bimbel noach ean Polgies gehale hoat“ von 1998 und im Heimatbuch „850 Jahre Kirch-Göns“ von 2000 wurden bereits der Flugplatz Kirch-Göns und die Ayers Kaserne mit einem Artikel bedacht. Aussagekräftiges Bildmaterial und dAten über die Ayers Kaserne konnten damals aber kaum gesichtet werden. Bilder über das Militärgelände warn nicht zulässig. Der Gedanke, eine ausführliche Dokumentation vom Bau des militärischen Flugplatzes Kirch-Göns im Jahr 1936 bis zur Schließung der Ayers Kaserne 1997 zu erstellen, hatte sich 2004 gefestigt. Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten Gebäude in der ehemaligen Ayers Kaserne abgerissen. Herr Reusch hatte bei diesen Arbeiten an manchen Tagen zugesehen und dabei einige Szenen im Bild festgehalten. Dabei reifte erstmals der Gedanke, die vorhandenen Bilder in einem Buch zu veröffentlichen. Doch wird es dafür überhaupt Interessenten geben? So widmete er sich zunächst seinem Heimatort Ebersgöns und konnte 2011 sein Ebersgönser Heimatbuch mit 584 Seiten und etwa 1500 Bildern vorstellen: „Hausnaome ean nahle Gasse – Voh de Keutripp bis bein Weiße Stoa“. Dann lebte die Überlegung, etwas vom Flugplatz Kirch-Göns und der Ayers Kaserne zu erstellen. Wieder auf. Den Anstoß dazu gab 2011 ein Gespräch mit Veronica Scholz aus Niederkleen, in dem sie sagte: „Diese Geschehnisse hier auf dem ehemaligen Militärgelände müssen eigentlich einmal aufgeschrieben werden.“. Ab da nahm Werner Reusch erste Kontakte mit Kirch-Gönser, Langgönser und Pohl-Gönser Bürger auf. Die erste offizielle Zeitzeugin war am 14.04.2012 Luise Heiden aus Kirch-Göns. Sie hatte am 02.01.1972 bis 18.10.19991 bei den „Outlaw Soldaten, den Gesetzlosen, Block 4621 ein kleines Nähzimmer. Zum Zeitpunkt des Gesprächs war Luise Heiden im stolzen Alter von 99 Jahren und 4 Monaten. Sie wurde 101 Jahre und 10 Monate alt. Alles weitere dazu kann man auf der Seite 163 lesen. In den folgenden Jahren wurden dann etwa 50 weitere Zeitzeugen befragt. Beim Recherchieren im Stadtarchiv Butzbach hat der Autor alle gebundenen Jahrgänge der Butzbacher Zeitung von 1951 bis 2024 durchgesehen. Es waren etwa 250 Bände mit über 500.000 Seiten. Die mühselige Arbeit hat sich aber gelohnt, denn es konnten viele Zeitungsberichte über Amerikaner in Kirch-Göns und Butzbach mit genauen Daten und interessantem Bildmaterial entdeckt werden. Drei Jahre dauerte das „Stöbern und Blättern“ bis eine Auswahl getroffen werden konnte und in das angedachte Konzept einfloss. Viele Texte blieben im Original, kleine Passagen wurden geändert oder umgeschrieben. In den Zeitungsartikeln wurde sehr ausführlich beschrieben, wie großzügig die Amerikaner in Butzbach und Umgebung die Deutschen beim Bau on Sportstätten und sozialen Einrichtungen materiell unterstützt haben. Deutsch-amerikanische Freundschaftsfeste wurden tausendfach besucht und bis heute pflegen viele Deutsche und ehemalige Gis aus der Ayers Kaserne in Butzbach noch gute Kontakt miteinander. In dieser zeitgeschichtlichen Zusammenfassung werden auch Auseinandersetzungen zwischen Amerikanern und Deutschen in Butzbach und der Umgebung sowie Übergriffe einzelner Soldaten beschrieben. All diese Berichte wurden vom Autor bewusst nicht ausgegliedert, um so dem Leser zu vermitteln, wie die Presse zu dieser Zeit Geschehnisse beschrieben hat. Im Mai diesen Jahres war das Konzept über das Buchprojekt fertig und der Inhalt sollte veröffentlicht werden. Mit in das Buch flossen Erfahrungen von Reusch mit seinen Führungen über das Gelände und seine Vorträge ein. Die ersten Führungen fanden 2004 und 2007 gefolgt von drei Vorträgen. In der Zeit vom Juli bis zum 23. September 2016 haben weitere fünf Führungen und ein Vortrag stattgefunden. Dabei wurden etwa 850 Besucher registriert. Großzügige Hilfe und Unterstützung bei den Führungen leistete Spediteur Wolfgang Bork. Durch Besucher der Führungen und Vorträge erhielt Werner Reusch bisher nicht bekanntes Bildmaterial und Informationen, die er dann noch in das Buch eingefügt hat.

Die erste Lieferung des neuen Buches von Werner Reusch stand zum Verkauf bereit.

Quelle und Bild: Wetterauer Wochenbote vom 30. November 2016